Growth Hacking – ein Begriff, den man kennen sollte

growth hacking

Es ist nicht ganz einfach herauszufinden und zu verstehen, was mit diesem Begriff genau gemeint ist. Es lassen sich dazu viele, teilweise unterschiedliche Erklärungsansätze finden. In den meisten Fällen werden Ausdrücke und Fremdwörter verwendet, die dabei noch viele weitere Fragezeichen aufkommen lassen. Trotzdem sollte der Infopreneur die grundsätzlichen Gedanken dieses Begriffs kennen. Diese können ihm dabei helfen, auf eigene Ideen zu kommen, um das Wachstum seines Unternehmens zu steigern und dadurch Erfolg zu haben.

Der Begriff

Der Ausdruck basiert auf den zwei englischen Wörtern „Growth“ und „Hacking“. Der erste Teil steht für Wachstum. Der zweite Teil steht unter anderem für hacken, holzen und schnipseln.

Setzen wir uns diese beiden Begriffe vor Augen, erscheint dabei das Bild eines Bauern, der auf seinem Feld hackt, um dadurch mehr anpflanzen und später mehr ernten zu können – und sein Bauernhof dadurch wächst.

Growth Hacker

Der „Growth Hacker“ sorgt für sein Wachstum

Genau dieses Prinzip steht hinter diesem Begriff, der 2010 von Sean Ellis eingeführt wurde. Gemeint ist damit eine neue Art von Marketingmaßnahmen, mit der die bislang klassische Beeinflussung der Kaufentscheidungen überholt werden kann. Der Grund dafür ist, dass die Produkt- und Dienstleistungsarten durch den größer werdenden Interneteinfluß sich immer schneller und stärker verändern.

Mit Growth Hacking sind ideenreiche Alternativen zur bislang traditionellen Werbung gemeint. Oftmals handelt es sich dabei um eine individuelle Idee, die auf ein Unternehmen und dessen Kunden abgestimmt ist, und die auch nur zu diesem Unternehmen passt. Beispiele dafür sind virales Marketing oder der Einsatz von Sozialen Medien.

Ein wichtiger Punkt dieser neuen Werbeaktivitäten ist das Einbauen des potentiellen Wachstums in das jeweilige Produkt – Maßnahmen also, um Kunden zu gewinnen, Beziehungen mit denen aufzubauen und zu pflegen und den Verkauf zu erhöhen. Diese Integration führt unter anderem dazu, dass neue Kunden über das Netzwerk direkt davon erfahren oder auch von anderen Kunden, wenn sie dieses Produkt benutzten, darauf aufmerksam gemacht werden.

Growth Hacking lässt sich zusammenfassen als ständige Fokussierung auf das Unternehmenswachstum und dessen Steigerung durch einzelne Hacks.

Das Ziel

Das Ziel dieser Marketing-Technik ist, das Wachstum des Unternehmens zu steigern. Dazu gehört, möglichst viele Kunden zu gewinnen und dafür möglichst wenig Geld ausgeben zu müssen. Vor allem in den Anfangsphasen der Markteinführung eines Produktes oder einer Dienstleistung soll das Growth Hacking für schnelles Wachstum sorgen. Hierbei soll eine große Bekanntheit erlangt werden, um daraus möglichst viele neue Kontakte zu generieren, die schließlich dafür sorgen, dass der Absatz sich erhöht. Das komplette Vorgehen darf dabei nur auf minimale Kosten aufbauen.

Die Umsetzung

Um dieses definierte Ziel zu erreichen, müssen neue, passende Tricks gefunden werden, die zu weiteren Nutzern des Angebots führen. Und dies alles bei minimalen Kosten.

Dabei sollte es sich um folgende Aktionen handeln:

  • Akquisition: Die Nutzer auf die eigene Website zu locken.
  • Aktivierung: Sie davon davon zu überzeugen, sich zu registrieren.
  • Bindung: Sie zu motivieren, auf der Website teilzunehmen.
  • Weiterempfehlung: Sie davon zu überzeugen, das Produkt zu empfehlen.
  • Monetarisierung: Die aktiven Nutzer zum Kauf zu überreden.

Zur Durchführung dieser Aktionen, können folgende Mittel und Verfahren eingesetzt werden:

  • Kreativität
  • Analytisches Denken
  • Content Marketing
  • Influencer einbinden
  • Social Sharing
  • Suchmaschinenoptimierung SEO
  • Automatisierung: Den eigenen Content automatisch über große Seiten verbreiten.
  • Websiteanalyse
  • Tests
  • Fakes: Falsche Profile anlegen, um Seite populär erscheinen zu lassen.
  • Paid Search
  • Mitglieder werben
  • Partner Marketing
  • Pressearbeit
  • Landing Pages
  • Erzwungene Informationsweitergabe
  • Open Graph Protokoll – im HTML Head definierte Eigenschaften, die eine Webseite erweitern, um in sozialen Kanälen besser dargestellt zu werden.
  • Kampagnen in sozialen Netzwerken
  • Gastartikel auf externen Blogs
  • E-Mail-/Newsletter-Versand

Beispiele

Nachdem wir uns die Theorie dieses Themas erarbeitet haben, blicken wir nun auf einige praktische Beispiele, wie dieses Growth Hacking bereits von sehr erfolgreichen und deshalb bekannten Anbietern umgesetzt wurde:

  • Airbnb
    Die eigenen Angebote konnten auf dem amerikanischen Kleinanzeigenmarkt „Craigslist.org“ miteingebunden werden. Dadurch erfuhren von Anfang an sehr viele Nutzer davon.
  • DropBox
    Benutzer, die ihre Freunde und Bekannten empfohlen haben, haben mehr Speicherplatz bekommen.
  • University of Alberta
    Nutzer sind auf der Website im Rahmen eines PopUps gefragt worden, ob sie sich für News-E-Mail anmelden möchten.
  • Twitter
    Das Marketing wurde komplett in das eigene Produkt eingebaut. Es fand keinerlei externes Marketing statt.
  • Hotmail
    Dieser Vorreiter von „Outlook.com“ baute die Signatur „PS I love you“ mit dem Link auf eine freie Version von Hotmail in die versendeten E-Mails ein.
  • Instagram
    Dieser Onlinedienst steigerte seine Reichweite dadurch, dass die User ihre Fotos und Videos auch auf Facebook und Twitter teilen konnten.
  • Facebook
    Dieses soziale Netzwerk vergrößerte seine Reichweite und die Bindung seiner Nutzer unter anderem damit, dass es den noch nicht angemeldeten Benutzern jeweils eine E-Mail zusendete, um sie darüber zu informieren, wenn sie markiert oder erwähnt wurden. Dies sorgte dafür, dass sich diese User aus Neugierde anmeldeten, um zu erfahren, was über sie berichtet wurde.
  • Foundr
    Dieses Magazin für Entrepreneure hat sich zur Veröffentlichung ihres ersten Buches mit Kickstarter.com verbunden, einer Community, die unter anderem Künstler, Designer oder Filmemacher dabei unterstützt, ihre Projekte umzusetzen.
  • Gmail
    Am Anfang dieser Google Mail Funktion, konnte nur über Einladungen darauf zugegriffen werden. Die Befürchtung der Internet-User, dabei etwas zu verpassen, führte zu einem hohen Wachstum.
  • Harvest Snaps
    Dieses „Snack“-Unternehmen stellte seinen E-Mail-Abonnenten den Zugang eines speziellen Clubs bereit. Dadurch weckte es bei vielen Usern das Gefühl, auf etwas spezielles zugreifen zu können, was nicht für jeden zugänglich war.
  • Hubspot
    Dieses Unternehmen stellt eine Plattform für Inbound-Marketing, Sales, CRM und Kundenservice bereit. Dabei bietet es neuen Kunden zum Einstieg kostenlose Tools an, die sie bei Bedarf aufrüsten können.
  • Knudge.me
    Eine Learning-App, mit der Englisch und Mathematik gelernt und verbessert werden kann. Zur Verbreitung dieser App wurden die sozialen Medien sowie das In-Product-Marketing verwendet.
  • LinkedIn
    Dieses Unternehmen steht für Jobvermittlung. Angefangen hatte es damit, dass es sich auf einen speziellen Arbeitssektor sowie eine spezielle Region zum Konzepttest konzentrierte. Beide waren dabei gut bekannt. Nach dem anfänglichen Erfolg breitete es dann die Sektoren und Bereiche aus.
  • Monzo
    Ein FinTech-Unternehmen, das anfangs als Bank lediglich eine mobile-App und eine Prepaid-Debitkarte angeboten hat. Zum Zeitpunkt der Anmeldung können Benutzer sehen, wie viele Personen sich vor ihnen befinden und wie viele Personen sich in der Warteschlange hinter ihnen befinden. Und die Benutzer können die Warteschlange überspringen, indem sie mehr Benutzer einladen.
  • NetFlix
    Das Unternehmen bestand aus zwei Bereichen: DVDs und Online-Video-Streaming. Die Gewinne aus dem einen Bereich wurden verwendet, um den anderen auszubauen.
  • Paypal
    Dieser Online-Bezahldienst bot seinen Benutzern in der Anfangszeit eine finanzielle Gutschrift an, wenn sich aufgrund ihrer Empfehlungen weitere Nutzer anmeldeten.
  • Proven
    Eine Stellenbörse, die einen internen Wettbewerb aufgestellt hatte: Mitarbeiter wurden dafür belohnt, wenn sie bestehende Inhalte förderten und dadurch verbesserten.
  • RJMetrics
    Dieses Software-Unternehmen zog die Aufmerksamkeit auf sich, in dem es den Usern „Cupcakes“ als Gewinnmöglichkeit anbot.
  • Shazam
    Hier handelt es sich um eine mobile App, die Musik, TV-Sendungen und Filme erkennt. Um das Angebot wachsen zu lassen, ermutigte dieses Unternehmen seine Nutzer, die App auch über das Telefon mit Freunden zu verwenden, um diese dadurch auch dafür zu begeistern.
  • Slack
    Slack bietet einem Team einen zentralen Ort für Koordination und Kommunikation an, damit alle ihr Bestes geben können. Sein Erfolg bestand darin, die Probleme zu identifizieren, die den Leuten nicht bewusst waren: Schlechte Produktivität und erhöhter Stress aufgrund schlechter Kommunikation. Durch die Nutzung ihres Angebots funktioniert das besser.

Alle diese Beispiele passen in den meisten Fällen lediglich zu dem jeweiligen Unternehmen, das es ausgeführt hat. Diese Auflistung soll deshalb nicht vorgeben, diese so ausführen zu müssen. Sie soll lediglich dabei helfen, selbst auf passende Ideen für das eigene Unternehmen zu kommen.

Tools

Um weitere Anregungen für die Entwicklung eigener Growth Hacking Ideen zu schaffen, finden sich in der nun folgenden Liste einige Softwareangebote. Diese aufgeführten Beispiele sollten dabei nicht als tatsächliche Empfehlungen verstanden werden. Sie sollen lediglich dazu helfen, für diesen Kontext passende Softwareansätze kennenzulernen und zu verstehen.

Fazit

Growth Hacking ist eine Art von Marketingmaßnahmen, die dem Infopreneur dabei helfen, vor allem anfangs das Wachstum seines Geschäfts zu steigern. Wichtig ist für ihn dabei zu verstehen, dass es sich um keine allgemeingültigen Ansätze handelt, die zu jedem Unternehmen passen. Vielmehr hat jeder Unternehmer für sich selbst seine passenden Maßnahmen zu finden. Zum einen hilft ihm dieser Artikel dabei, ein generelles Verständnis darüber aufzubauen. Zum anderen inspiriert er dazu, eigene Ideen zu entwickeln.

 

 

 

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*